Geschichte

Die Fachschaft stellt sich vor...

Der Geschichtsunterricht fördert Einsichten in den Zusammenhang geschichtlicher Ereignisse, Prozesse
und Strukturen, ohne sich an der bloßen Abfolge von Jahreszahlen entlang zu tasten. Gleichwohl bleibt
die Chronologie Ordnungsprinzip innerhalb der einzelnen Themen und Inhalte. Neben den großen
Themen der europäischen Geschichte leistet die Regionalgeschichte einen Beitrag, um die regionale
Identität der Schüler zu stärken. Nicht zuletzt soll im Geschichtsunterricht an unserer Schule auch die
religiöse Dimension des menschlichen Lebens, da wo sie sich in der Geschichte zeigt, in ihrem
Bedingungsgefüge aufgespürt und deren Folgen auf menschliches Handeln untersucht und beurteilt
werden. Geschichte wird am Liborius-Gymnasium in Klasse 5, 6, 7 und 9 zweistündig, in Klasse 8
einstündig (bzw. epochal zweistündig) sowie in Klasse 10 dreistündig unterrichtet.

Lehrkräfte: Frau Bodner, Herr Frisch (FS-Vorsitz), Herr Herbst, Herr Kloss, Frau Koschig (Referendariat), Herr Krueger, Frau Mikus, Frau Olejnicki, Frau Strothmann-Kloss, Herr Wünsch, Herr Veigel (Referendar)

Geschichte in der Sekundarstufe 1

Im Zeitraum der Sekundarstufe I werden die Themen Ur- und Frühgeschichte, antike Hochkulturen, Mittelalter sowie die Neuzeit (Reformation, Absolutismus und Aufklärung, Französische Revolution, Industrialisierung, deutsche Nationalbewegung bis zur Revolution von 1848, Entstehung des Kaiserreiches) und schließlich das 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus sowie der Entstehung der beiden deutschen Staaten behandelt. Idealerweise sollte das wiedervereinigte Deutschland am Ende des Geschichtsunterrichts von Klasse 10 stehen. Zentrale Themen, welche teilweise im Lehrplan des Landes keine Erwähnung finden wie z.B. die römische Republik oder der 30-jährige Krieg haben bei der Untersuchung von Kontinuität und Wandel der jeweiligen Epoche selbstverständlich ihren Platz. Um der Spur nachzugehen „Wie wir wurden, was wir sind“ folgt die Fachschaft einemInselmodell: der Idee, von Themeninsel zu Themeninsel zu steuern, um nicht „im Meer der Geschichte“ (Ursula Plöger) zu versinken und die Orientierung zu verlieren.

Geschichte in der Kursstufe

In der Oberstufe ist das Fach mit drei Wochenstunden für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend zu belegen. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt hat 2019 bedauerlicherweise festgelegt, dass im Fach Geschichte kein Leistungskurs gebildet werden kann.Hier gilt der aktuelle Lehrplan der vier Oberstufenkurshalbjahre als Richtschnur für den Unterricht:
1) Kontinuität und Wandel am Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts;
2) Die Entstehung einer Industriegesellschaft am Beispiel Deutschlands und der USA
3) Der Kampf der Ideologien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
4) Systembedingte Konfrontation und Kooperation nach 1945
Dieser wird darüber hinaus an manchen Stellen durch umfassende Fragestellungen und Betrachtungen ergänzt, wie etwa die Frage nach der Entstehung und Entwicklung der europäischen Nationalstaaten im ersten Kurshalbjahr.
In allen vier Kurshalbjahren sollen sowohl Interpretationskompetenzen, narrative Kompetenzen sowie geschichtskulturelle Kompetenzen erworben werden. An diesen Kompetenzen orientieren sich auch die vom Land gestellten Abituraufgaben mit den drei Aufgabentypen:
a) Quelleninterpretation
b) Erörterung eines historischen Sachtextes
c) freie Darstellung eines historischen Themas
Immer wieder arbeitet unsere Schule mit dem Stadtarchiv zusammen und die Klassen besuchen regelmäßig aktuelle historische Ausstellung in Dessau und Umgebung. Eine historische Exkursion für alle zehnten Klassen zur Gedenkstätte Bernburg ist zu einer festen Größe in unserem Schulprogramm geworden. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei damit konfrontiert, dass menschenverachtende Praktiken wie die sogenannte Euthanasie und die Zwangssterilisation in nicht allzu großer Entfernung von ihrem Zuhause stattgefunden haben.
Zu Beginn der elften Klasse findet traditionell eine dreitägige Berlinfahrt statt, die neben Inhalten der Sozialkunde und Geografie wichtige zeithistorische Aspekte behandelt. Beeindruckend für die Schülerinnen und Schüler sind dabei stets vor allem der Besuch des Bendlerblocks sowie des Stasimuseums.
Auch der Besuch von Zeitzeugen an unserer Schule war und ist ein Höhepunkt im Zusammenhang mit der Behandlung des 20. Jahrhunderts, ebenso ist es die Teilnahme an geschichtskulturellen Veranstaltungen wie z.B. an der Verlegung der Stolpersteine in Dessau-Roßlau.


Im Rahmen des Geschichtsunterrichtes spielen Zeitzeugengespräche eine wesentliche Rolle: In Zusammenarbeit mit Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum e.V. Dessau) führten Schüler einer zehnten Klasse ein Zeitzeugengespräch mit Siegfried Heilig durch.

Herr Heilig, Jahrgang 1934, wuchs in Magdeburg auf. Dank seiner Großmutter Anna Heilig entkam er mit seinen Eltern und Geschwistern der Deportation der Sinti und Roma aus Magdeburg nach Auschwitz-Birkenau am 1. März 1943. Anna Heilig wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet. Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Film "Meine Großmutter hat uns das Leben gerettet". Der vom AJZ e.V. Dessau produzierte Film dokumentiert die Spurensuche Siegfried Heiligs nach Angehörigen seiner Familie.

19. August 2019

Auf dem Gelände der ehemaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt befindet sich heute das Fachklinikum für Psychiatrie. Im Keller des nach dem Psychiater Wilhelm Griesinger (1817-1868) benannten Gebäudes wurde 1952 vom Verband der Verfolgten des Nationalsozialismus noch eine Urne in der ehemaligen Gaskammer aufgestellt. Danach schwanden die Opfer der NS-„Euthanasie“ weitestgehend aus dem öffentlichen Gedächtnis.
Erst 1982 wurde ein Teil der Kellerräume zu einer kleinen Gedenkstätte umgestaltet, die allerdings noch nicht öffentlich zugänglich war, und deren unter großen Schwierigkeiten erarbeitete Ausstellung auf Dauer den Erfordernissen nicht genügen konnte. Sie bezeichnet aber den Beginn einer ernsthaften Aufarbeitung der Morde an kranken und behinderten Menschen durch Mitarbeiter/innen des Krankenhauses.
Nach einer denkmalpflegerischen Untersuchung begann ab 1988 die Neugestaltung als Gedenkstätte für Opfer der NS-Euthanasie. Im Mittelpunkt stehen heute die baulichen Reste der Vernichtungsanlage, ergänzt durch eine Ausstellung über nationalsozialistische Zwangssterilisation, Euthanasie und „Sonderbehandlung 14f13“ in Bernburg.
Erst 1982 wurde ein Teil der Kellerräume zu einer kleinen Gedenkstätte umgestaltet, die allerdings noch nicht öffentlich zugänglich war. Die Gedenkstätte wird seit der Neueröffnung im September 1989 von Besucher*innen aus dem In- und Ausland aufgesucht, deren pädagogische Betreuung den Schwerpunkt der Gedenkstättenarbeit bildet. Die Gedenkstätte wird überwiegend von Gruppen besucht. Angesprochen sind dabei nicht nur die allgemein bildenden Schulen (Fächer Geschichte, Sozialkunde, Religion, Ethik, Philosophie), sondern auch Kranken- und Altenpflegeschulen sowie weitere Bildungseinrichtungen.
Die Arbeit der Gedenkstätte ist geprägt von einem aktiven Gedenken, das durch die Vermittlung von Sachinformationen den Besucher*innen helfen soll, Wege zu eigenen Erkenntnissen zu finden. Inhaltlich erfolgt keine zeitliche Begrenzung auf den Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen stattdessen Kontinuitätslinien in der Ausgrenzung sozialer Randgruppen von 1900 bis zur Gegenwart und das ihnen zugrunde liegende Gedankengut sowie die Auseinandersetzung damit, wie Menschen unter bestimmten Bedingungen zu Tätern werden. Da in der Gedenkstätte nur eine kleine Ausstellungsfläche verfügbar ist, wird auf Wunsch und nach Anmeldung eine Führung in deutscher oder englischer Sprache angeboten. Die Besucher*innen haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich während ihres Aufenthaltes in der Gedenkstätte im Leseraum und Medienraum ausführlicher über spezielle Fragen, über aktuelle Veröffentlichungen und die Arbeit anderer Einrichtungen zu informieren. Die direkte pädagogische Betreuung vor Ort wird ergänzt durch die Beratung von Multiplikator/innen der politischen Bildung. Sie können hier didaktische und methodische Hinweise zur Gestaltung eines Unterrichtskonzeptes zu den „Euthanasie“-Verbrechen im Dritten Reich sowie Hinweise zu ausgewählten Fragen nationalsozialistischer Gesundheits-, Sozial- und Rassenpolitik erhalten. Entsprechende Materialien werden von der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt.
Die künftige Arbeit soll den Charakter eines Ortes der Begegnung, der Besinnung und des Gespräches miteinander weiter verstärken.

© Förderverein der Gedenkstätte Bernburg e.V., 13. Juli 2019

Zur Verlegung der Stolpersteine
„Ich bin ein kleiner Koffer aus Frankfurt am Main und ich such` meinen Herren, wo mag er nur sein? Er trug einen Stern [...]“
Hermann Steinbock, Minna Steinbock und Charlotte Steinbock sind die Namen, welche man auf drei Messingsteinen nahe unserer Schule auf dem Gehweg lesen kann.

Diese drei Menschen trugen einen Stern, einen gelben Davidstern. Mit der Aktion Stolpersteine erinnert die Stadt Dessau-Roßlau an politisch verfolgte Menschen während des NS-Regimes.

Da drei dieser Steine nun in der Rabestraße verlegt worden sind, hat sich unsere Schule gern mit einigen Beiträgen an dieser Veranstaltung beteiligt. Ich rezitierte den Text „Ein Koffer spricht“ von Udo Lindenberg. Er erinnert ebenso wie die besagte Veranstaltung an ein Verbrechen der Deutschen, an welchem meine Generation keine Schuld trägt. Dennoch ist es wichtig bis heute die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Es handelte sich um ca. 80 Teilnehmer und ich denke, dass alle ebenso wie ich sehr emotional aufgewühlt waren. So musste ich doch einige Male einen Kloß herunter schlucken bevor ich anfing zu singen. Ich hoffe, dass noch viele Stolpersteine folgen werden. Sie sind ein kleines Zeichen gegen den Nationalsozialismus und halten die Erinnerung an die zahlreichen Opfer wach.

„Ein Koffer spricht“

Liedtext von Ilse Weber (geb. 1903 - ermordet 1944 in Auschwitz), Vertonung von Nizza Thobis
Ich bin ein kleiner Koffer aus Frankfurt am Main,
und ich such meinen Herrn, wo mag er nur sein,
er trug einen Stern, und war alt und blind,
und er hielt mich gut, als wär´ ich sein Kind.

Ich hab meinen Herrn begleitet, jahraus jahrein,
auch diesmal ging ich mit ihm, nun ist er allein,
er war alt und blind, wohin ist er gekommen,
und weshalb hat man mich ihm weg genommen?

Ich bin ein kleiner Koffer...

Warum bin ich auf dem Kasernenhof geblieben?
Sein Name steht doch auf meinem Kleid geschrieben.
Nun bin ich schmutzig, mein Schloss hält nicht mehr,
man hat mich geplündert, ich bin fast leer.
Nur ein Tuch ist noch da, ein Becher dabei,
seine kleine Blindentafel aus Blei,
alles ist fort, die Arzneien, das Brot,
er sucht mich gewiss, vielleicht leidet er Not

Ich bin ein kleiner Koffer...

Das muss schwer sein für einen Blinden,
mich in dem Stapel von Koffern zu finden,
ich kann es auch so schwer verstehen,
weshalb wir hier nutzlos zugrunde gehen.

Judith Antal, 13. Mai 2015